Amnesty International English-speaking group Berlin (1312)

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AMNESTY Filmtag

Lost Children

Regie: Ali Samadi Ahadi, Produkion: Oliver Stoltz

Es ist der längste Krieg Afrikas: Seit fast 20 Jahren findet unter den Augen der Weltöffentlichkeit im Norden Ugandas ein unvorstellbares, systematisches Morden statt. Die Mitglieder der fanatisch- religiösen "Lord's Resistance Army" (LRA) entführen Kinder aus ihren Dörfern und zwingen sie zum Töten, auch ihrer eigenen Familienangehörigen. Opfer werden zu Tätern gemacht, und einem Volk werden so über Generationen hinweg Lebensgrundlage und Zukunft genommen. LOST CHILDREN ist das eindringliche und sensible Porträt von vier Kindersoldaten zwischen 8 und 14 Jahren, die nach gelungener Flucht aus den Buschlagern der Rebellen nur Eines wollen: wieder Kind sein und leben.

Mit diesem dokumentarischen Film möchten wir auf die Problematik der Kindersoldaten aufmerksam machen und fordern:

  • sofortiger Stopp der freiwilligen oder zwangsweisen Rekrutierung und des Einsatzes von Kindern unter 18 Jahren durch Regierungen oder bewaffnete Gruppen.
  • unverzügliche Demobilisierung von Kindersoldaten unter 18 Jahren.
  • Bereitstellung von angemessener Unterstützung für demobilisierte Kinder, um ihre psychischen und körperlichen Leiden zu mildern und ihre soziale Integration zu fördern.
  • umfassende Kooperation der betroffenen Regierungen mit allen internationalen und nationalen Untersuchungen zu Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, darunter Rekrutierung und Einsatz von Kindersoldaten.
  • Survivors of the killing: child soldiers as refugees in Germany
  • Unicef, Factsheet: Child Soldiers
  • Amnesty Report: Kindersoldaten

KINDERSOLDATEN von Nelson Lüthe

Zwei Wörter die eigentlich nichts verbindet die aber zusammen eine Welt beschreiben in der die schrecklichsten Gräueltaten an Kindern und manchmal auch von Kindern begangen werden.

Laut der UNO Kinderrechtskonvention sind Kinder „Menschen, die das 18. Lebensjahr noch nicht abgeschlossen haben.“

Schätzungen der UN zufolge sind weltweit etwa 300.000 Kinder an bewaffneten Konflikten beteiligt, verteilt auf 54 Kriegsparteien in 21 Ländern: Myanmar (Burma), Zentralafrika, im Tschad, in Somalia, Uganda und im Sudan, im Irak, in Kolumbien und Sri Lanka Burundi, Elfenbeinküste, Kolumbien, Demokratische Republik Kongo, Nepal, Philippinen, Sudan und vorwiegend Entwicklungsländer, die in Bürgerkriege verstrickt sind, setzen in ihrer Verzweiflung kleinere Kinder ein, doch selbst Großbritannien, die USA, Kanada und Neuseeland rekrutieren bereits 17-jährige Jugendliche für ihre Armeen.

Ein großer Teil der Kindersoldaten in den Entwicklungsländern sind zwischen 12 und 16 Jahre alt, aber auch schon sieben- oder achtjährige werden rekrutiert. Sie werden von Regierungsarmeen, paramilitärischen Kampftruppen, zivilen Milizen und verschiedenen anderen bewaffnete Gruppierungen rekrutiert. Dies erfolgt zu meist gewaltsam durch Entführungen oder systematische Kinderverschleppungen. Die wenigen die ’freiwillig’ den bewaffneten Gruppen beitreten sehen in ihrem Beitritt die einzige Möglichkeit dem Hunger, der Armut oder der Gewalt in bewaffneten Gebieten zu entgehen oder um Familienmitglieder zu schützen. Einfach um zu überleben. Für Kinder hat das Ausreißen in den Busch natürlich auch etwas Abenteuerliches – aber sie kennen die damit verbundenen Konsequenzen nicht. Diese Kindersolaten werden teilweise an der Waffe ’ausgebildet’ und müssen an vorderster Front kämpfen oder sie werden als Kundschafter, Wachposten, Kämpfer, Träger, Boten, Diener und Sexsklaven sowie für besonders gefährliche Aufgaben als Kanonenfutter für das Auslegen oder Entschärfen von Landminen eingesetzt. Um sie für die Kampfhandlungen gefügig zu machen, werden sie mit Drogen und Alkohol vollgepumpt. Es gibt Initiationsriten in denen jeder neue Rekrut brutale Verbrechen, wie z.B. den Mord an Kameraden, Freunden oder Angehörigen, möglichst aus dem eigenen Dorf, begehen muß. Fluchtversuche oder fehlende ‘Motivation’ werden auf das härteste bestraft.

"Am schwierigsten war es, Menschen töten zu müssen. Ich habe immer noch Albträume von den Menschen, die vor meinen Augen starben. Aber ich musste sie töten, wenn ich nicht umgebracht werden wollte wie meine Freunde." (Marcel, DR Kongo, er wurde als Elfjähriger rekrutiert)

Kindern als bewaffnete Kämpfer in Kriegen einzusetzen ist für die Kriegsführer sehr attraktiv. Kinder sind billig und willig, sie lassen sich leicht verführen, mit Versprechungen ködern und sind leicht zu ersetzen. Sie erwarten keinen Sold und müssen keine Familie ernähren, und sie brauchen weniger Nahrung. Aber sie können genauso gut töten wie Erwachsene – je jünger sie sind, desto weniger moralische Skrupel haben sie dabei, weil sie die Tragweite ihres Tuns nicht begreifen. Sie machen die Drecksarbeit – sie sind willige Vollstrecker, Kanonenfutter, Späher, Träger, Sexsklaven. Hilfreich ist dabei, daß viele Waffen inzwischen „kinderleicht“ in Gewicht und Handhabung geworden sind Die Verfügbarkeit von Kleinwaffen zu niedrigen Preisen wie auch die Straffreiheit für die Rekruteure fördert den Einsatz von Kindersoldaten.

Die psychischen und physischen Leiden die diese Minderjährigen davontragen sind gravierend und werden häufig nicht erkannt oder überhaupt beachtet. Reintegration ist nur sehr schwer möglich. Die Kinder, die den Rebellen entkommen konnten, sind alle Täter und Opfer zugleich. Aber auch Helden, denn die Flucht zu wagen und den Angehörigen ihrer Opfer wieder zu begegnen, erfordert viel Mut. Nur wenige Kinder haben überhaupt die Chance den Krieg im Busch zu überleben; die meisten werden als “Kanonenfutter” oder als vermeintliche Rebellen durch die Regierungstruppen getötet.

Jede Rekrutierung von Kindern unter 15 Jahren gilt gemäß der UN-Kinderrechtskonvention als Kriegsverbrechen. Rekruteure können vor dem internationalen Strafgerichtshof in Den Haag angeklagt werden. Mit dem Zusatzprotokoll zu Kindern in bewaffneten Konflikten wurde die Altersgrenze für die Zwangsrekrutierung und den Einsatz von Kindern im Konflikt auf 18 Jahre angehoben. Doch gibt es auf internationaler Ebene bisher keine Sanktionen gegen Kindeseinsatz im Krieg noch effektive Strategien, um Bürgerkriegsparteien daran zu hindern.